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Botschaft des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I.
anlässlich des 75. Jahrestages des Holodomor in der Ukraine
an die gesamte fromme ukrainische Nation

українською мовою

Ökumenischer Patriarch Bartholomaios I.                Geliebte Kinder der Kirche, liebe Ukrainer!

Durch Gottes Vorsehung haben wir einen weiteren Anlass, eine väterliche Botschaft an euch zu richten. Die Mutter-Kirche, das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel, wendet sich hiermit erneut an euch, um mit euch nicht nur Freude, sondern auch die Trauer zu teilen, die durch den Holodomor verursacht wurde.

Immer mehr der wenigen Söhne und Töchter des ukrainischen Volkes, denen der Herr geholfen hat, in der Zeit der ukrainischen Tragödie, des Holodomor von 1932-1933, zu überleben, verlassen für immer ihre Heimat, ihre Kinder, Enkel und Urenkel. Daher richtet sich unsere Botschaft in erster Linie an junge Menschen, die Zukunft des ukrainischen Staates.

Gemeinsam mit euch wollen wir nicht nur die Zahl der durch die Hungersnot ermordeten Ukrainer begreifen, sondern vor allem die Ursachen, die zu der Tragödie geführt haben. Überlassen wir die Untersuchung der politischen und sozialen Ursachen den weltlichen Wissenschaftlern. Wir werden versuchen, den Holodomor aus der Sicht der Kirche zu betrachten. Wie konnte es geschehen, dass die Ukraine, die seit alters her Brot an Länder lieferte, in denen es fehlte, begann in einer friedlichen Zeit zu verhungern in stärkerem Maße als jedes andere europäische Volk in Zeiten des Krieges?

Die Macht des neu gegründeten Staates auf dem Territorium des zusammengebrochenen Imperiums ersetzte den Stern von Bethlehem durch jenen mit menschlichem Blut getränkt, und an Stelle von Christi Lila, welches das heilige Blut des Erlösers der Welt in sich aufgenommen hat und ihr heiliger Banner war und bleibt, der zum ewigen Leben führt und dem gläubige Menschen immer gefolgt sind, begann die rote Fahne zu flattern, die das unschuldige Blut der besten Söhne und Töchter eures Volkes unsichtbar machte.

Sobald ein Unterdrücker an die Macht kommt, wird er sich nicht um das Wohl des von ihm regierten Stammvolkes kümmern, oder seine geistigen, kulturellen und materiellen Werte achten. Er weiß genau, dass früher oder später das Volk es erkennen und das Joch abschütteln wird. Deshalb, um eine lange Herrschaft zu gewährleisten, ist es notwendig, die Titularnation zu terrorisieren. Die gut erhaltenen historischen Dokumente der Sowjetunion sind reich an Informationen über die Nationalität der Unterdrückten. Die überwältigende Mehrheit der vernichteten, inhaftierten oder verbannten Personen waren Ukrainer, die nationalbewusst oder gute Haushälter waren. Die Inspiratoren, Organisatoren, Manager und Hauptvollstrecker der Vernichtung der Ukrainer waren Menschen, die mit den Worten Jesu Christi beschrieben werden können: "Ihr habt den Teufel zum Vater... Er war ein Mörder von Anfang an..." (Johannes 8:44)

Drei Holodomore, Repressalien und Krieg sollten für dich, ukrainisches Volk, ein Impuls zur spirituellen Reinigung, zur moralischen Verbesserung, zur Rückkehr zur christlichen Tradition deiner Vorfahren mit ihrer eigenen Kirche und innerer christlicher Spiritualität sein, und nicht eines von außen aufgezwungenen, formalen, fast an die Anbetung des Rituals grenzenden Christentums. Und unser Besuch in Kiew anlässlich der Feierlichkeiten zum 1020. Jahrestag der Taufe der Rus’-Ukraine hat uns die echten Söhne und Töchter der ukrainischen Kirche gezeigt, die zu Gott und nicht zu dem Menschen beten, auch wenn er ein hohes Amt innehat. Wir haben gesehen, dass selbst die Schrecken des 20. Jahrhunderts das Rückgrat der Nation nicht gebrochen haben, sie haben aus dem Ukrainer keinen Sklaven und keinen gehorsamen Vollstrecker von Absichten anderer Menschen gemacht.

Wir rufen alle auf, eure Gesichter zu Kiew, zu den ukrainischen geistigen, religiösen und kulturellen Heiligtümern zu wenden, zum ukrainischen Volk: alle in der Ukraine geborenen Menschen haben ein und dieselbe Mutter, die Ukraine, der alle ohne Ausnahme dienen sollen: die Macht habenden und der "kleine" Bürger. Denken sie an die Worte unseres Erlösers: "Jedes Reich, wenn es mit sich uneins wird, das wird verwüstet; und eine jegliche Stadt oder Haus, wenn es mit sich selbst uneins wird, kann nicht bestehen.“ (Matt. 12:25)

Liebe Ukrainer! Eure Vergangenheit, unabhängig davon, ob fröhlich und siegreich, oder traurig und tragisch, vor allem der Holodomor, bleibt immer bei euch, selbst wenn ihr versucht, aus Gefälligkeit euren Nachbarn gegenüber ihn zu vergessen, zu minimieren oder zu verzerren. Die folgenden Worte des Apostels Paulus treffen auf euch zu: "Brüder, ein jeglicher, worin er berufen ist, darin bleibe er vor Gott.“ (I. Kor. 7:24) Es ist eure Berufung, gute Christen in der alten ukrainischen Kirchentradition und Bürger der Ukraine zu sein, sowie einmütig Zeugnis über die Tragödien des ukrainischen Volkes im 20. Jahrhundert, vor allem über den Großen Holodomor von 1932 –1933, vor der Welt abzulegen. Es ist eure Pflicht, die Erinnerung an eure großen Vorväter, Großeltern und Eltern zu wahren, denn die Geschichte der Menschheit kennt keine Tragödie, bei der mehr Vertreter einer Nation in einem friedlichen Jahr als während eines mehrere Jahre dauernden Krieges vernichtet wurden. Und es ist gleich, was jemand sagt, oder ob versucht wird, das Böse herabzumindern, das ist ein klares Zeichen für Völkermord.

Kinder der Kirche Christi, liebe Ukrainer! In den Tagen des Gedenkens an die Opfer des Großen Holodomors von 1932-1933, vor allem an dessen 75. Jahrestag, trauert eure Mutter-Kirche, das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel, gemeinsam mit euch und bekundet seine tiefe und aufrichtige Anteilnahme euch allen und dem Präsidenten der Ukraine, Viktor Juschtschenko, der die Ukraine vor der Welt vertritt und durch dessen anhaltende Anstrengungen die Welt immer mehr über die schreckliche Tragödie der Ukrainer im 20. Jahrhundert erfährt. Wir richten unsere Gebete an unseren Herrn Jesus Christus und bitten den Allergnädisten Erlöser, die Seelen all derer, die durch die Hungersnot getötet wurden, in den heiligen Ruheort aufzunehmen und sie zu Seinen Märtyrern zu zählen, als solche, die unschuldig getötet wurden. Möge ihr Andenken ewig leben und möge der himmlische Segen des Höchsten über euch kommen, die noch am Leben sind!

Fanar, 20. November 2008

† Bartholomaios
Erzbischof von Konstantinopel und Ökumenischer Patriarch

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nach: www.uocofusa.org