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Die Frage der Jurisdiktion

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Für die Ukrainische Orthodoxe Kirche ist die Frage der Jurisdiktion nach wie vor von existenzieller Bedeutung. Wie bereits im historischen Beitrag ausgeführt, geht die offizielle Gründung der Kiewer Metropolie, das heißt der Ukrainischen Orthodoxen Kirche, auf die Taufe der Kiewer Rus durch den Fürsten Wolodymyr den Großen zurück. Sieben Jahrhunderte lang unterstand die orthodoxe Kiewer Metropolie dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel als ihrer Mutterkirche. Infolge damaliger politischer Verhältnisse wurde sie auf Verlangen Moskaus unkanonisch vom Ökumenischen Patriarchen Dionisius IV. von Konstantinopel abgetrennt und der Moskauer Kirche unterstellt.

Die Unrechtmäßigkeit dieses erzwungenen unkanonischen Aktes wird im offiziellen Tomos des Heiligen Synods des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel vom 13. November 1924 zur Autokephalie-Erklärung der Orthodoxen Kirche in Polen bezeugt, in dem es wörtlich heißt: “...Die Lostrennung der Kiewer Metropolie und der von ihr abhängigen orthodoxen Metropolien von Litauen und Polen von unserem Thron und deren Inkorporation in die Moskauer Kirche ist keineswegs nach dem vorgeschriebenen kanonischen Recht erfolgt; ebenso wurde auch all das nicht eingehalten, was hinsichtlich der vollen kirchlichen Autonomie des Kiewer Metropoliten festgesetzt worden war, welcher den Titel eines Exarchen des Ökumenischen Thrones trug.“ (Vgl. Wolfgang Krahl, Die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche, in: Sonderdruck der Zeitschrift „Ukraine in Vergangenheit und Gegenwart“, Nr. 42, München 1968), Ukrainischer Volltext des Tomos in: N. Polonsjka-Wasylenko, Istorycni pidvalyny UAPC – Historische Grundlagen der UAOK, München 1964, S. 113-116)

Das Verbleiben der Kiewer Metropoliten in der Jurisdiktion der Ökumenischen Patriarchen im Verlauf von sieben Jahrhunderten seit Wolodymyr dem Großen sicherte der Ukrainischen Orthodoxen Kirche ein freies Leben, das in der Zeit des Kiewer Metropoliten Petrus Mohyla zur vollen Entfaltung gelangte. Ihr Verbleiben in der Jurisdiktion des Moskauer Patriarchats, und später im synodalen System der russischen Kirche bedeutete den allmählichen Verlust ihrer Autonomie und schließlich ihrer nationalen Identität.

Das 18. Jahrhundert, eine Periode des allmählichen Absterbens der ukrainischen Autonomie und des nationalen Lebens, war eine Periode des Niedergangs auch der Ukrainischen Orthodoxen Kirche, die als solche praktisch zu existieren aufhörte, indem sie einfach zu einem Bestandteil der allrussischen synodalen Kirche wurde,“ – schreibt der ukrainische Historiker Dmytro Doroschenko in seiner Abhandlung „Die Orthodoxe Kirche in Vergangenheit und Gegenwart des ukrainischen Volkes“
(Originaltitel: Pravoslavna Cerkva v mynulomu i sucasnomu zytti ukrajinskoho narodu, Berlin 1940, S. 42-43)

In diesem Kontext nennt der Verfasser unter anderem folgende Fakten: Das 19. Jahrhundert betrat das ukrainische Volk nicht nur seiner autonomen Strukturen (auf der linksufrigen Ukraine), seiner Schulen, sondern auch seiner nationalen Kirche beraubt. Seit Beginn des 19 Jahrhunderts sehen wir schon keine Ukrainer auf den Bischofssitzen mehr, vor allem in der Ukraine selbst. Auf die Kiewer Geistlichen-Akademie wurden Studenten, Absolventen Moskauer Seminarien geschickt. Die Ukrainer mussten stattdessen in Moskau, Petersburg oder Kasan studieren. Die orthodoxe Kirche geriet in eine Rolle der Hüterin des bürokratischen Polizeiregimes und des Russifizierungssystems. Auf Beschluss des Heiligen Synods von 1860 wurde das Drucken des Neuen Testaments in ukrainischer Sprache verboten. Darauf folgte das Verbot der Herausgabe populärer Bücher mit religiösem Inhalt in ukrainischer Sprache.

Das Patriarchenamt in Russland, 1589 unter Zar Fedor Ivanovic eingeführt, wurde 1721 von Zar Peter I abgeschafft. An die Stelle des Patriarchen wurde ein staatskirchliches Konsistorium, der „Allerheiligste Dirigierende Synod“ eingesetzt. Da die Beschlüsse des Heiligen Synods der Bestätigung durch den Zaren bedurften, war der Synod ein rein staatliches Instrument, dessen Mitglieder vom Zaren ernannt wurden. Mit der Einsetzung des Heiligen Synods war der Cäsaropapismus in der russischen Kirche vollendet. Das Patriarchat von Moskau wurde erst nach der Revolution in Russland von 1917 wiederhergestellt. (Friedrich Heiler, Die Ostkirchen, München/Basel 1971, S. 60-61) Diese Ideologie war den Ukrainern fremd und sie waren stets auf die Unabhängigkeit ihrer Kirche bedacht.

Sich als „eigene Einheit“ verstehen. Reinhard Thöle, wissenschaftlicher Referent für Ostkirchenkunde am Konfessionskundlichen Institut des Evangelischen Bundes, Lehrbeauftragter an der Universität Heidelberg stellt fest: „Obwohl sich nach der Zerstörung Kiews durch den Mongoleneinfall von 1240/41 erst Wladimir und später Moskau als neue kirchliche Zentren herausbildeten, verstanden sich die Kirchen mit ihrer ukrainischen Bevölkerung im Laufe der Geschichte immer wieder als eigene Einheit.“ (Thöle, Orthodoxe Kirchen in Deutschland, Bensheimer Hefte, Göttingen 1997, Nr. 85, S. 61)